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Bergbau in Eichigt
von Herbert Strobel

Etwa um 700 n. Chr. siedelten bei uns verstreut slawische Gruppen. In dieser Zeit waren wir der südöstlichste Teil der großen "Thüringer Sorbenmark", die 849 erstmals erwähnt wurde. Bei uns kam es zur Bildung der Slawensiedlung "Villa dicta Loch". Dieses Siedlungsgebit umfasste Teile von Eichigt, Hundsgrün, Rebersreuth und Leubetha. Sie fanden hier einen reichen Wild- und Fischbestand in den dichten Wäldern, Bächen und der "Weißen Elster", die sie "Villa Zobri" nannten.

Diese Siedler hatten auch Kenntnisse über Bergbau und die Nutzung von Bodenschätzen. So erkannten sie an der Färbung der Pflanzenbestände darunter liegende etwaige Erzvorkommen. Bei einer ganz bestimmten dunklen Verfärbung des Bewuchses vermuteten sie beispielsweise Zinnerz.
Die Slawen wurden vermutlich auf Grund dieser Kenntnisse auf die Eichigter Erzadern aufmerksam.

Eichigter Schachtlöcher (es gab davon mehrere) weisen auf unterirdische Gänge hin und besagen, dass der Abbau nur untertage mnöglich war. Mehrere Löcher waren notwendig, um  das taube Gestein beim Abbau nicht über zu lange unterirdische Strecken transportieren zu müssen, um es aus den Schächten herauszubringen. Der Erzbergbau wurde in Eichigt in großem Stile betrieben.

Eisenerz wurde längs des Eisenweges abgebaut. Zinnerz fand man unter dem Tannenberg, wo das Bergamt derzeit arbeitet.

Ein Ortsteil wird in den alten Flurkarten als "Kohlstatt" beschrieben. Es handelte sich dabei eine Wiese, etwa in der Größe eines Fußballfeldes, die sich in einem größeren Waldstück befand. Der Boden dieser Wiese besteht zu einem großen Teil aus Asche verbrannter Holzkohle. Hier standen die Meiler zur Verkohlung des Holzes zur Holzkohle. Diese wurde gebraucht, um das Erz zu schmelzen.

Eine weitere Stelle war der "Stänkerweg". Hier befand sich eine Pechsiederei zum Erzeugen von Wagenschmiere. Da das abgebaute Gestein zu Mühle und Schmelze gebracht werden musste, brauchte man Wagenschmiere zum schmieren der Achsen der Wagen. In der Mühle wurde das Gestein mit Hämmern zerstoßen, zertrümmert und geschmolzen.

Urkunden und Dokumente über den Eichigter Erzbergbau sind kaum zu finden. Lediglich eine alte Flurkarte (wird demnächst auch hier veröffentlicht) gibt darüber spärliche Auskunft. Beim Brand des Eichigter Pfarrhauses im Jahre 1674 wurde leider auch das gesamte Schrifttum vernichtet.

Seine Blüte dürfte der Erzbergbau von 1200 bis 1300 erlebt haben. Die Bergleute waren in der Regel Slawen. Finanziert und vermarktet wurde der Bergbau vom "Deutschen Orden" in Plauen. Die Kreuzzüge waren ein Fass ohne Boden. Dafür wurde viel Geld gebraucht.

Das Dorf Eichigt

Eichigt hat eine bewegte Geschichte. Wie dem Heft „Die Parochie Eichigt“ des Pfarrers Max Allwill Bühring vom November 1910 aus der Reihe „Neue Sächsische Kirchengalerie“ zu entnehmen ist, erscheint Eichigt, im Volksmund Ma(i)chlich genannt, urkundlich zuerst 1328 als Eychech - ein Ort im Eichenwald. Der Name wechselte vielfach: 1378 -„Eychich ist den zcugehorunge zum Slos Voytesberg“ (Vogtsberg), in dessen Amt wie zum Landgericht Adorf es gehörte.“ Das Loch mit der Lochmühle (Lohmühle) ist als ältester Ortsteil Eichigts jedoch bereits seit 1304 urkundlich bekannt. Gegründet worden sei Eichigt »durch 12 Siedler unter Leitung eines vogtländischen Dienstmannes im Quellgebiet der „Milna“ (später Locherbach)«, als die Vögte von Weida Ende des 12. Jahrhunderts im mittleren Vogtland Bauern aus Ostfranken ansiedelten. Dem widerspricht jedoch, daß Eichigt bereits um 1240 zur selbständigen Pfarrei erhoben wurde, was sich allerdings nicht genau angeben lässt. Bis etwa 1340 scheint Untertriebel nach Eichigt eingepfarrt gewesen zu sein (Dr. Bonhoffs Bemerkungen im 20. Heft des Plauener Altertumsvereins, S. 73 und 74).

»Lehns- und Gerichtsherren waren außer dem Pfarrer über einzelne Güter in Eichigt, wie auch Untereichigt, Hundsgrün und Rebersreuth die adligen Herren auf Jugelsburg, Mühlhausen, Brambach und Magwitz, ebenso Planschwitz. Die Säcke auf Planschwitz, später auf Brambach, hatten schon vor 1381 Eichigt zum größten Teile im Besitz. Das Übrige erwarb von Hans Vasmann 1438 Ulrich Sack, der es 1443 ganz in seiner Hand vereinigte. 1410 hatte Conrad Ochse außer dem oberen Vorwerk zu Magwitz fünf teils wüste, teils besetzte Höfe zu Eichigt zu Lehen, später die v. Jeßnitz auf Jugelsburg, das diese 1483 erwarben. 1464 ging aber bereits ein Gütlein zu Eichigt, das 1638 durch Tausch an den Bürgermeister Tobias Eberlein in Adorf kam, bei Erenberg v. Jeßnitz zu Lehen. Die Gerichtsbarkeit wurde von bestellten Amtsrichtern im Orte, wie sie im hiesigen Kirchenbuche mit Hinzufügung der Namen der Ritterschaftlichen Herren öfters bezeichnet sind, ausgeführt. « ... »Nach dem Erbbuch von 1542, in welchem es heißt: „durch diczs dorff fleußt ein pechlein, ist frey der Lochnersbach genannt“, hatte es „18 Mannschaft“, auch so viel „feuerstette“«. Nach der Zählung von 1905 hatte Eichech, Echich, Eychach, Aichich, Aichicht, Eichigt, wie es verschiedentlich geschieben wurde, 567 Einwohner, darunter 356 über 14 Jahr alte und sechs römisch-katholische. 1910 waren es 549 Einwohner, davon 342 über 14 Jahre und einer römisch-katholisch.

»Ein Teil der Ortschaft heißt „Buttergrund“, ein anderer, auf der Höhe gelegener „der Tannenberg oder auch Galgen“. Der erste Anbau auf dem letzteren geschah im Jahre 1830, die beiden Häuser sind im Jahre 1897 abgebrannt.«

»Das Dorf, etwa 8,3 km südwestlich von Oelsnitz entfernt, in dessen Amtshauptmannschaft und Amtsgericht es (1910) gehört, erstreckt sich mit seinen Häusern« lang hingezogen im Tal des Loch(n)erbaches, einem linken Zufluß der Weißen Elster, der vor langer Zeit irgendwann früher den Namen „Milne“ trug, »von der Grenze Untereichigts an in einer Ausdehnung von reichlich einer Dreiviertelstunde aufwärtssteigend bis über die Landstraße von Oelsnitz nach Rossbach (Hranice) hinüber.«

Der Ort liegt im Mittel 440 Meter über NN hoch, Die Bevölkerung ist oberfränkischen Ursprungs, was auch in Mundart, Sitten und Gebräuchen zum Ausdruck kommt.

Der Ort liegt aus kirchlich-historischer Sicht - selbst zum Bistum Bamberg gehörig - an einer Dreiecksgrenze. Unweit der Lochmühle (Lohmühle) stoßen die Grenzen der Bistümer Bamberg (Oberfranken), Regensburg (Oberpfalz) und Naumburg (Thüringen) an einem Punkt in der Nähe der Loch(n)erbachbrücke zusammen.

Der Volksmund spricht von drei Ortsteilen, dem Loch, dem Dorf und der Höhe. Das Dorf stellt den eigentlichen Ortskern dar. Es lag früher an der alten Handelsstraße von Roßbach (Hranice) nach Oelsnitz auf der im 30-jährigen Krieg "wildes Kriegsvolk nahte" und den Ort heimsuchte. So wurde zum Beispiel der damalige Pfarrer mit Schlägen traktiert, wiederholt beraubt und bis auf das Hemd ausgezogen. Hier, im Dorf, stehen Kirche, Schule und Gastwirtschaft (heute Bürgerhaus). Die Kirche wurde in der Mitte des 13. Jahrhunderts als katholische Kapelle errichtet. Sie ist eine der ältesten Kirchen des Vogtlandes.

Immer wieder liest man, daß es sich um eine Wehrkirche handele oder daß die Kirche aus einer Wehrkirche hervorgegangen wäre. Das ist falsch. Die Parochie Eichigt ist eine der sogenannten Streitpfarren. Bei selbigen ging es um Kompetenz- und Finanzfragen, genannt Kollaturrecht, zwischen dem König von Sachsen und dem von Bayern. Die Verhandlungen über die Beseitigung der Probleme wurden im November 1844 durch beiderseitige Regierungsbevollmächtigte erfolgreich abgeschlossen und im darauffolgenden Jahr ratifiziert. Der erste sächsische Geistliche war Karl Schenkel (1845 - 1861) aus Oelsnitz.. Er wurde im Jahr 1845 durch das Königl. Sächs. Kultusministerium zum Pfarrer von Eichigt designiert. Die Verhandlungen führte im Auftrag des Königs von Sachsen der „Amtshauptmann Hans Guido Hugo von Schütz zu Plauen, von bayrischer Seite der Regierungsrat Franz Joseph Brand zu Bayreuth, welche nach gepflogenen Verhandlungen folgende Vereinbarung bis auf Allerhöchste Ratifikation abgeschlossen haben: Abtretung der sog. Streitpfarren im Königreich Sachsen an die Krone Sachsen u. s. w.“

In der Nähe von Kirche (und Jugendklub) befindet sich ein Naturdenkmal, das seinen Namen durch den Sachverhalt erhalten hat, daß am 8. und 9. Juni 1813 das Freikorps der "Lützower Schwarzen Jäger" auf der Husarenwiese neben der inzwischen 400 Jahre alten Linde biwakierte (lagerte). Diese Linde soll der dickste Baum des Vogtlandes sein. Sie hatte, gemessen am 7. Juli 2003 anläßlich der Eröffnung des Sportfests durch Böllerschüsse der Interessengemeinschaft "Lützower Jäger 1813" Leipzig einen Umfang von 8,46 Meter. Ursprünglich wurde angenommen, daß dies unter Führung von Theodor Körner geschah und daß die restliche Reiterschar unter Leitung des Rittmeisters von Lützow zur gleichen Zeit in Hof gewesen wäre. Inzwischen konnten wir jedoch in Erfahrung bringen, daß Adolf Freiherr von Lützow persönlich in Eichigt war (siehe „Lützow vor Hof“). Er hatte gastliche Aufnahme im Pfarrhaus bei Pastor Wirth gefunden und von hier aus zwei Berichte an seinen Feldherrn Blücher in Berlin geschrieben (datiert Eichigt, am 8. Juli 1813).

Wenn Sie demnächst wieder hier herein schauen, sind wir sicherlich mit der Arbeit an der Chronik wieder ein Stück weiter. Sie erfahren dann auch weiteres über die Vergangenheit der anderen Ortsteile.

Sie können sich über unseren Ort weiter informieren, indem sie jetzt zur nächsten Station unserer Führung gehen. Wir berichten Ihnen mehr über die Körnerlinde, Adolf Freiherr von Lützow, die Lützower Jäger, Theodor Körner, Friedrich Ludwig Jahn, die deutschen Farben schwarz-rot-gold und vieles mehr.


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