Das Lützowsche Freikorps in Eichigt
von Hartmut Liebe

Bevor sich Lützow auf den Rückmarsch nach Plauen begab, nahm er in einem Dorf das er Aussig nannte Marschquartier. Der richtige Name das Dorfes ist jedoch Eichigt. Hier müsste er bis in die Vormittagsstunden des folgenden Tages geblieben sein, denn er schrieb in diesem Ort seinen Bericht an Blücher.

A. Neupert sen. schrieb 1916 in seinem Artikel in den Mitteilungen des Altertumsvereins Plauen, dass Körner einen Befehl zu Folge mit einem Kommando zur böhmisch-bayrischen Grenze vorstieß. Eine andere Veröffentlichung besagt, dass Körner in der Nacht vom 8. zum 9. Juni eine Patroille zusammenstellte welche in südwestlicher Richtung zur Bayrischen Grenze aufklären sollte, und über Ebmath in Richtung Hof vorstieß. Eine weitere Aufgabe war, die Verbindung zum nach Süden ziehenden Lützow und vor Hof befindlichen Kropff zu halten. Da sich nirgends ein Gegner zeigte, kehrte die Patrouille nach einigen Stunden nach Eichigt zurück (Golme, S.46).
Donnerhack, der sich vermutlich auf die Publikation von A. Neupert sen. aus dem Jahre 1916 stützt, berücksichtigt diese Tatsache nicht.

Wolfgang Schrader, der mit seinem Buch "Zwischen Trikolore und Zarenadler” die Stadt Plauen zwischen 1806-1813 im Jahre 1995 ein nicht nur für die "Vogtländer” empfehlenswertes Buch schrieb, findet auch keinen Hinweis auf einen selbständigen Zug unter Theodor Körner. "In Eichigt wurde Halt gemacht. Die "Schwarzen Jäger”, welche in der Uniform den "Schwarzen Husaren”etwas ähnelten, biwakierten auf einem Gartengrundstück zwischen der "Klosterschänke” und der Dorfstraße. Körner selbst fand bei dem Pfarrer Wirth, Donnerhack nennt den Pfarrer Wild, gastfreundliche Aufnahme und Nachtquartier. In der Nacht vom 8. zum 9. Juni unternahm die Abteilung einen Vorstoß über Ebmath nach Hof, kehrte aber mitten auf dem Wege um, da vom Feind nichts zu bemerken war”, schreibt Neupert (Neupert, S.278, ). Körner schrieb hier seinen bereits zitierten Brief an eine gute Bekannte, Frau Pereira in Wien. Er bezeichnete den Ort als "im Bowuac vor Auhigt zwischen Plauen und Hof" am 9. Juni:

"Ich bin gesund und frisch, habe als Adjutant des Majors den verwegensten Zug mitgemacht den man sich denken kann. Wir sind ein kleiner Haufe mitten durch die Feinde von Stendal an der Niederelbe hierher bis an die Grenze von Bayreuth gejagt. Seit dem 29. Mai bin ich nicht vom Pferd gekommen, habe nur reitent geschlafen und mit eigenen Händen einige Gefangene gemacht. Trotz dieser ungeheuren Anstrengung bin ich stark und munter und freue mich der Verwegenheit dieses Lebens" (Neupert S.278, 279).

Wie so oft versuchte Körner auch im Biwak in Eichicht bei den Menschen das Feuer der Freiheit zu entfachen. Unter der Führung eines Herrn Horlbeck suchten Adorfer Einwohner an diesem Tag den Dichter der Freiheitskriege im Lager auf. "Mit der Kraft heiliger Begeisterung forderte Körner die Adorfer Herren auf, doch auch das ihrige nach Kräften dazu beizutragen, dass sich in den Herzen kampffähiger Männer und Jünglinge sich wieder mehr und mehr deutscher Mut zur Rettung des Vaterlandes und der deutschen Freiheit entflamme” (Neup.,S.279). Körner, der in Dresden mit dem General Blücher zusammengetroffen war und ihm seine Absicht nicht nur mit dem "Schnabel” sondern auch mit dem "Sabel” zu fechten erläuterte, zeigte Stolz und Stärke. Das beweist, dass die viel kritisierte Poesie des Heeres nicht nur als weltfremdes Gedichteschreiben abgetan werden soll. Sie stand mit beiden Beinen im Leben und freute sich der Verwegenheit dieses Lebens.

Auhigt, Ossek oder Eichigt - das ist die Frage (Wie deutet man einen Ortsnamen?)
In der Vergangenheit wurde über den richtigen Namen des Aufenthaltsortes des Freikorps viel gestritten. Gehen wir also der Sache nach.

Am 8. Juni übersandte Lützow einen Bericht an Blücher. In diesem beschrieb er seine Aktionen in Thüringen. Der darin angegebene Ort "Aussig” (Jagw., S.101) hat verschiedene Deutungen erfahren. Theodor Körner, so ist es in seinen gedruckten Briefen zu lesen, gibt in einem am 9. Juni geschriebenen Brief an Frau Pereira den Ort als "Auhigt” , in seinem am gleichen Tag geschriebenen Brief an seine Eltern den Ort als "Ausicht” an (Frotscher, S.243). Fritz v. Jagwitz deutet den Ort als Aussig bei Hof, auch als den Ort Ossek bei Hof (Jagw., S.101).Rudolf Donnerhack vermutet als Aussig den Ort Eichigt. Er bezieht sich auf den Brief Körners an Frau Pereira in Wien: "Im Biwak vor Auhigt zwischen Plauen und Hof am 9. Juni” (Donnerh., S.136) (Macke, S.402).

Der Mühltroffer Max Frotscher bezieht sich auf Körners Brief und liest den Ort als Ausicht. Er deutet ihn ebenfalls als Ort Eichigt bei Hof (Gedruckte Briefe, S.243). Im gleichen Heft bezieht er sich auf den Körnerbrief vom 9. Juni den Körner den Ort mit Auhigt angibt und vermutet, es wäre der Ort Eichicht zwischen Oelsnitz und Roßbach an der böhmischen Grenze.
A. Neupert sen. äußert sich in seinem Artikel "Theodor Körner mit dem Lützowschen Freikorps im Vogtlande”, Druck 1916 auch über den Brief an Frau Pereira in Wien. Er hat als Einziger eine glaubhafte Erklärung für den Namen "Auhigt”. "Der Pfarrer Wirth, ein Bayer, sprach statt Eichigt "Aichigt”, woraus der (Schrift) Setzer Auhigt gemacht hat da der Punkt über dem "i” wohl mehr einem Bogen über einem "u” ähnlich sah” (Neupert sen., S.278).

Der Bericht Lützows aus dem Biwak in Eichigt
Im Biwak bei Eichigt bei Hof, im Bericht als Aussig bei Hof bezeichnet, zog Lützow am 8. Juni 1813 eine vorläufige Bilanz über den Zug der vereinigten Kavallerie durch das heutige thüringisch- sächsische Gebiet. Vergleiche zwischen diesem und den am 2. August 1813 in Nauen gefertigten Bericht Lützows zum gleichen Thema zeigen leichte Abweichungen. Auf sie wird gegebenenfalls hingewiesen.

"An seine Exzellenz den General Herrn v. Blücher
Kurzer Bericht über die Bewegungen des Königlich- Preußischen Freikorps.

1. Es waren bereits mehrere Abteilungen des Korps an verschiedenen Orten über die Elbe gegangen, hatten des Feindes Rücken beunruhigt, und seine Positionen rekognosziert . So hatten die Kosaken unter dem Major v. Elsewanger und Ulanen des Korps, die den linken Flügel bildeten, nachdem die bis auf das Glacis von Magdeburg geritten waren und sich dann bis Bardeleben zurückgezogen hatten, daselbst ein glückliches Gefecht mit 2.000 Mann Infanterie und 140 Mann Kavallerie, die ihnen aus Magdeburg nachgerückt waren. Sie warfen die auf das Vollkommenste, nahmen ihnen mehrere Gefangene ab und eroberten einige Wagen mit Blei.

Darauf ging ich mit der ganzen Kavallerie des Korps, gegen 400 Mann bei Tangermünde über die Elbe, marschierte über Stendal und Letzlingen nach Exleben, wo ein Kurier abgefangen wurde, und setzte dann meinen Marsch über Hadmersleben und Hetborn fort. Der Feind, der sich nach des Generals Tschernitschefs Abmarsch aus Halberstadt mit 300 Mann Infanterie, 500 Pferden und 12 Kanonen wieder hineingeworfen hatte, zog sich bei unserer Annäherung nach Braunschweig zurück. Wir schnitten hierauf in forcierten Märschen auf dem, Wege nach Weimar alle Militärstraßen, wobei wir leicht die unbedeutende Anzahl der sich im Rücken der großen Armee zusammenziehenden Truppen beurteilen konnten.
Unterwegs nahmen wir einige Offiziere gefangen und hoben mehrere Depots und zwei Kuriere auf. Als wir uns Weimar näherten, zog sich die dortige Garnison nach Erfurt zurück; als dort eine bedeutende Macht von mehreren tausend Mann Miene machte, uns zu drängen, warfen wir uns von Buttelstedt aus in den Wald von Rastenberg, hielten uns dort verborgen und erweckten so bei dem Feinde die Meinung, als wären wir über die Unstrut zurückgegangen" (Jagw. S. 103).

Im Bericht am 2. August 1813 gefertigten Bericht aus Nauen heißt es: "Mein Marsch bis gegen Weimar hatte nicht große Schwierigkeiten, doch bedurfte er Vorsicht; mehrere Gefangene wurden gemacht, von denen ich die Offiziere auf ihr Ehrenwort entließ. – Ich war gegen Weimar vorgerückt, um es zu überfallen. Bei Buttelstedt erfuhr ich, dass es mit 1.000 Mann Infanterie besetzt und in den Dörfern 1.500 Mann polnische Ulanen und französische Dragoner kartonierten. Ich musste diese irre zu machen suchen, ließ daher ruhig füttern, machte alsdann eine Bewegung gegen Erfurt, indem ich eine starke Abteilung auf den Höhen des Eckartsberge marschieren ließ, die ich später durch eine Vertiefung wieder an mich zog, indem ich selbst mich gegen rechts gegen die Wälder vom Eckardsberge wendete, dort den Einbruch der Finsternis erwartete und in der Nacht die Defileen der Ilm passierte, und so die große Militärstraße zwischen Jena und Weimar durchschritt (Jagw. S. 107). Diese Darstellung wird auch in den Aufzeichnungen Schlüssers bestätigt).

Im Bericht aus Eichigt heißt es weiter: "Als die Nacht hereinbrach, ließ ich aufsitzen, ritt mitten durch drei vom Feind besetzte Dörfer über die Militärstraße von Weimar und Saalfeld nach Jena, setzte über die Saale, griff ein Detachement feindliche Truppen an und nahm 14 Mann gefangen; die übrigen entkamen in den Wald. Darauf marschierte ich nach Roda . Ein Kommando von 200 Mann feindlicher Infanterie war hier aufgehoben. Als ich aber erfuhr, dass sich mehrere feindliche Truppen zusammenzögen, um uns anzugreifen, und dass von Jena aus stark detachiert wurde, so marschierte ich in der Nacht bis Neustadt, wo ich den ersten Rasttag hielt. Darauf ging ich ungestört über Schleiz, wo Leutnant Wedel Tags zuvor das dortige Militär, 68 Mann stark, ganz allein zu Kriegsgefangenen gemacht hatte, Mühltroff, Plauen und Oelsnitz hierher an die Grenze von Bayreuth, und will heute noch Hof nehmen, oder, ist es zu stark besetzt, wenigstens alarmieren.
Ich habe jede Ursache, mit dem Mute und der Ausdauer meiner Truppen höchst zufrieden zu sein. Sobald es ein ruhiger Augenblick erlaubt, sollen Ew. Exzellenz einen genauen Bericht erhalten; jetzt zwingt mich die Unsicherheit meiner Lage und sogar der Mangel an allen nötigen Schreibmaterialien zur Kürze.
Marschquartier Aussig bei Hof, am 8. Juni 1813" (Jagw. S.103)

Dieser Bericht wurde mit einem Punkt 2. Versehen, in welchem Lützow nochmals auf den Grund nach Süden zu ziehen, seine Vorhaben und seinen Plan im Fall eines Misslingens der Aktion einging.

"Der Rückzug der großen Armee vereitelte für jetzt die eigentliche Absicht, die meinem Korps zugeteilt worden war, die nördlichen Provinzen zu insurgieren , denn ich machte die traurige Erfahrung, dass trotz allem Eifer und guten Willen jeder Versuch, ein Volk in Aufstand zu bringen, ohne bedeutende Schläge der großen Macht mißlingen muss.

Ich entschloss mich daher, durch einen verwegenen Marsch des Feindes Rücken zu beunruhigen und eine große Reknoszierung auf den Haupt-Militärstraßen desselben anzustellen. Es gelang. Ich ließ die Infanterie in Havelberg zurück, ging mit der Kavallerie, gegen 400 Mann, bei Tangermünde über die Elbe, durchschnitt 9 Militärstraßen, als:
1.   die Straße von Braunschweig nach Magdeburg,
2.   die große Straße von Heiligenstadt über Halberstadt nach Magdeburg,
3.   die Straße von Nordhausen über Querfurt nach Merseburg,
4.   die Straße von Eisenach über Langensalza, die mit der obigen zusammenfließt,
5.   die Straße von Erfurt über Buttelstedt nach Naumburg,
6.   die große Straße von Eisenach über Erfurt und Weimar nach Jena,
7.   die Straße von Saalfeld über Neustadt nach Gera,
8.   die Straße von Hof über Schleiz nach Gera,
9.   die große Straße von Hof über Plauen nach Zwickau und
kam nach außerordentlich beschwerlichen und gefahrvollen Märschen, ohne einen Mann zu verlieren, mitten durch den Feind hierher ins Voigtland, wo ich die letztgenannte Militärstraße beunruhigen, Infanterie organisieren und mich mit den Rücken nach Böhmen legen will, um im Falle der höchsten Not durch Böhmen zur großen Armee zu stoßen zu können (...)" (Jagw. S. 104).

Entgegen der oft vertretenen Meinung, dass der Zug der Vereinigten Kavallerie ein Verlegenheitszug gewesen wäre, ist es auf Grund des mehr aus der Situation heraus verfassten Berichtes offensichtlich, dass Lützow durchaus konkrete Vorstellungen von seiner Vorgehensweise hatte und wusste das er tat.

Dieser Bericht wurde dem General Blücher durch Boten überbracht. Da auch der Bericht des Rittmeisters v. Colomb inzwischen bei Blücher eingetroffen war, überreichte er sie dem preußischen König mit folgendem Anschreiben:

"Euer königlichen Majestät überreiche ich in den urschriftlichen Anlagen die ersten offiziellen Berichte des Majors v. Lützow und des Rittmeisters v. Colomb über Alles, was sie seit ihrer Absendung von der Armee bis zum 8. Dieses Monats unternommen und ausgeführt haben.

Euer Königliche Majestät geruhen, daraus mit mehrerem allergnädigst zu ersehen, wie gut diese Offiziere operiert haben, mit welcher Umsicht, Entschlossenheit und Geistesgegenwart, vorzüglich des letzteren sie gehandelt haben und wie nützlich sie überhaupt noch werden können, wenn die Feindseligkeiten nicht eingestellt worden wären. Ich halte mich für verpflichtet, sie der Gnade Eurer Königlichen Majestät angelegentlichst zu empfehlen (..)
Strehlen den 15. Juni 1813 Blücher " (Jagw. S.101)

Aber auch der Gegner zog Bilanz. Am 13. Juni schrieb der Chef des Generalstabes, Generalmajor Prinz und Vize-Connetable Alexander, bezüglich er Einhaltung des am 4. Juni 1813 in Kraft getretenen Waffenstillstandes unter anderen an den russischen General Barclay de Tolly: "Vom 7. Bis zum 18. hat Herr Major v. Lützow die Feindseligkeiten fortgesetzt; er hat Briefposten von Bayern und von Dresden angehalten, er hat Kontributionen erhoben, wie dies 18 Protokolle konstatieren. Er hat sowohl Zivil- als auch Militärpersonen, die er unterwegs antraf, arretiert; er hat fortwährend die jungen Leute im Lande und die Studenten auf den Universitäten zum Eintritt aufgefordert. Er hat ferner Detachements angegriffen, Kuriere von Augsburg und Italien abgefangen und endlich einzeln marschierende Soldaten angehalten" (Jagw. S. 99).